Helgoland

Basstölpel & Trottellummen

Als ich Ende Februar meine Ferienwohnung auf Helgoland buchte, war ich doch sehr gespannt. Gespannt, was ich alles sehen werde, ob ich tolle Fotos machen kann, das Wetter gut wird, und und und...

Um es kurz zu machen, der Trip hätte nicht besser sein können. Rechtzeitig zur Hinfahrt am 20. gab es bestes Maiwetter, warm und sonnig. Um 12:30 Uhr kam die Fähre aus Büsum auf Helgoland an und es ging erstmal direkt in die Ferienwohnung im Oberland um das Gepäck abzuladen. Danach um die Ecke einkaufen, auspacken, was essen und dann die Fotoausrüstung schnappen und ab zu den Klippen.


Gleich am ersten Abend gab es dort beste Fotobedingungen: klares Wetter, warmes Licht und ein tolles Glitzern auf dem Meer. Zum Abschluss dann ein schöner Sonnenuntergang hinter der langen Anna und es ging zufrieden ins Bett. Auf die Basstölpel hatte ich mich am meisten gefreut, wegen ihnen wollte ich nach Helgoland. Es sind wirklich wunderschöne Vögel mit einem ganz eigenen Charakter. Ihnen beim Nestbau und Brüten zuzuschauen macht unglaublich viel Spaß.


Als Hochseevögel sind sie ausgezeichnete Flieger, was man an den Klippen hautnah erleben kann, auf denene sie  - nur durcheinen einfachen Zaun getrennt - keine 2m von den Besuchern entfernt brüten. Start und Landung sehen allerdings manchmal etwas holperig aus : ) Die meisten Tölpel waren andauernd damit beschäftigt Nistmaterial zu sammeln und ihr Nest zu bauen oder auszubesseren. Beliebtes Baumaterial sind Blasentang, Pflanzenteile, kleine Steinchen und leider auch Reste von Plastiknetzen, die jedes Jahr für einige


Vögel zur tödlichen Falle werden. 2015 haben Greenpeace und der Verein Jordsand versucht den Lummenfelsen vom Plastikmüll zu  befreien und mehr über die Herkunft des Mülls rauszufinden (mehr infos hier). Doch mittlerweile haben die Vögel schon wieder sehr viel Plastik verbaut und in den Kolonien entdeckt man immer wieder Überreste von toten Vögeln. Aber zurück zu den schönen Dingen. Die Brutpaare und ihre Nachbarn haben einige schöne und auch bizarre Rituale. Kehrt ein Partner zurück zu seinem Nest gibt es eine


ausgiebige Begrüßung. Häufig wird dabei zuerst der wartende Vogel recht ruppig mit dem Schnabel am Hals gepackt (interessanterweise wird so auch häufig der Nestbereich gegenüber den Nachbarn verteidigt). Danach wird es liebevoller und es wird ausgiebig und laut geschnäbelt. Dabei wird immer wieder auch der Schnabel vom Partner weggedreht. Eine friedlich gemeinte Geste, ist der Schnabel doch die gefährlichste "Waffe" der Basstölpel.


Sobald die erste Aufregung vorüber ist beginnt dann die gegenseitige Federpflege. An den Helgoländer Klippen brüten aber natürlich noch andere Seevögel, wie unter anderem der Name des Lummenfelsen verrät. Neben den ca. 2000 Trottellummen brüten auf den roten Felsen u.a. noch Dreizehen-Möwen, Tordalke und Eissturmvögel. Besonders gut haben mir die Ringellummen gefallen, die sich nur in einem kleinen Detail von den anderen Trottellummen unterscheiden. Sie haben einen weißen Ring um das Auge mit einem feinen  Strich an der Seite des Kopfs. Die Lummen sind, weil sie so klein sind, schnell fliegen und weiter unten auf den Felsen brüten, gar nicht so einfach zu fotografieren.


Die Düne

Neben der Hauptinsel von Helgoland liegt die Insel Düne. Sie ist flach, von Dünenvegetation bedeckt und mit ihren Stränden ein ideales Revier für die Kegelrobben. Im Mai ist bei den Kegelrobben aber relativ wenig los. Deutlich mehr gibt es im Winter zu sehen, wenn die Weibchen an den Strand kommen, um ihre Jungen zu werfen. Einige Wochen nach der Geburt beginnt dann gleich wieder die Paarungszeit. Im Mai liegen die Robben dagegen hauptsächlich dösend in der


Sonne am Strand, wenn sie nicht gerade in der Nordsee nach Nahrung suchen. Hin und wieder wird auch mal etwas im Wasser geplanscht oder der Liegeplatz gewechselt, was von den Nachbarn meist mit Geräuschen kommentiert wird, die an heulende und jaulende Schlossgespenster erinnern. Touristisch ist auch einiges los auf der Düne. Es gibt einen Campingplatz, Bungalows, Strandkörbe und sogar einen Flugplatz. Die Robben scheinen sich für die Touristen


recht wenig zu interessieren. Trotzdem sollte man als Besucher immer Abstand halten. Kommt man ihnen zu nah, fliehen einige Robben schnell ins Wasser und bei denen die bleiben, sollte man bedenken, dass die Kegelrobbe Deutschlands größtes Raubtier ist. Auch auf der Düne gibt es im Mai einiges an Vögeln zu sehen. In der Nähe des Flugplatzes gibt es eine große Heringsmöwenkolonie und ich konnte Eiderentenweibchen beobachten, die sich zusammentun um ihre Kücken gemeinsam aufzuziehen.

Im September werde ich wieder für ein paar Tage nach Helgoland fahren. Ich bin gespannt was mich dann erwartet...


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